26.08.2010
Gebloggt von Böttcher & Fischer

Poet Andreas aus Wurzen :-)

“Sturmbahngedanken”

Noch hockst Du im Startloch,

die Muskeln gespannt.

Halb Ehrgeiz, halb wütend

schaust Du über den Rand.

Da kommt auch der Pfiff schon,

Du ziehst Dich empor

und schnappst Deine Flinte

Drei Schritte jetzt vor!

Schon schmeißt Du Dich nieder

und fängst an zu gleiten

Beton über’m Kopfe

und auch an den Seiten.

Der Schnuppersack rutscht Dir

direkt untern Bauch.

Du kommst nicht recht vorwärts,

der Stahlhem rutscht auch.

Und durch bist Du endlich,

Du rappelst Dich auf,

und vor Dir der Graben,

der zwingt Dich zum Lauf.

Du springst. Gerade so! Nicht

nach hinten gekippt!

Nur vorwärts! Und schneller ans Seil und gewippt!

Noch brennt Dir der Hacken

vom Sprung auf Beton,

da prallt er schon wieder

an die Wand wie’n Gong.

Du ziehst Dich am Seil hoch,

hast schwankend nur Halt.

“Und jetzt soll ich hangeln?”

“Na los doch!Wird’s bald!”

Doch dann steht sie vor Dir,

die Wand, viel zu groß.

Keine Kraft mehr zum Anlauf.

“Was mach ich den bloß?”

Der Mann dort der hilft Dir

beim zweiten Versuch.

s’hat keiner gesehn

Du sparst Dir den Fluch.

Nun bloß noch die Wippe,

ein Kinderspiel das.

Doch Zeit hast Du keine,

denn schon schreit es: “Gaaas!”

Du schwitzt, und Du zitterst.

Die Haut klebt am Hemd.

Du zerrst an der Maske,

der Schlauch ist verklemmt.

Dann hast Du sie ‘rüber,

der Stahlhelm halb offen.

Du denkst nur noch:”Jetzt laufen!”

Und merkst ganz betroffen.

Entlang ziehst Du kraftlos

verkehrtrum am Strick

und hängst wie ein Faultier

“Ein Stück noch ein Stück!”

Du plumpst wie ein Apfel

dann endlich herab.

Erneut nimmst Du Anlauf,

springst hoch und hinab.

Schon steckst Du im “Fuchsbau” ,

umgeben von Nacht.

Auf Händen und Knien

krauchst Du durch den Schacht.

Ein bißchen nach links noch noch,

schon wird’s wieder hell.

Du stemmst Dich nach oben

und denkst: “Schneller! Schnell!”

Der Absprung mißglückt Dir,

Du fliegst auf die Fresse.

“Na, ’s ging nochmal gut”,

denkst voll Schreck Du und Blässe.

Das niedrige Fenster

nimmst Du mit Geschick

und bleibst nicht mal hängen

Ist das nicht ein Glück!

Du kriegst keine Luft mehr.

Reiß ab diesen Mist!

Doch nein, Du schwamkst weiter,

es bleibt wie es ist.

Noch wenige Meter

mit schwindender Kraft,

dann fällst Du in “Stellung” .

Vorbei und geschafft!

Du möchtest gern lächeln,

zu Ende die Qual.

Doch da ruft der Leutnant:

“Zu langsam! Nochmal!”

Der Beitrag wurde am Donnerstag, den 26. August 2010 um 10:39 Uhr veröffentlicht und wurde unter Böttcher & Fischer abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

2 Kommentare

  1. Karsten

    Spitzengedicht ist das bei der Bundeswehr jetzt auch noch so, ich kenne es noch von der NVA bzw. vom MDI.
    Aber man hat ja seine Tricks gehabt um sich vor der Sturmbahn zu drücken.

  2. Bernd

    klasse Gedicht…ich hatte beim lesen Tränen in den Augen, auch weil ich daran gedacht habe wie ich gegen diese Hlolzwand gerannt bin


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